108. Jahresbericht des Zwinglivereins über das Jahr 2004
Mitgliederversammlung
Die ordentliche Mitgliederversammlung fand am Donnerstag, den 10. Juni 2004, in der Helferei
Großmünster statt. Anstelle des erkrankten Präsidenten, Hans Stickelberger, übernahm
der Vizepräsident Ruedi Reich den Vorsitz. Jahresbericht und Jahresrechnung 2003 sowie das Budget
2004/05 wurden ohne Wortmeldung aus dem Plenum einstimmig angenommen. Die Mitgliederbeiträge
wurden gemäß Antrag des Vorstands von Fr. 40.- auf Fr. 60.- (Einzelmitglieder), bzw. von Fr. 60.- auf
mind. Fr. 100.- (Kollektivmitglieder) erhöht, der Mitgliederbeitrag für Studierende wurde
unverändert bei Fr. 20.- belassen.
Anlässlich der Gesamterneuerungswahl des Vorstands im Jahre 2003 hatte sich Hans Stickelberger
nochmals bereit erklärt, das Amt des Präsidenten zu übernehmen, wobei er gleichzeitig den
Rücktritt auf den Zeitpunkt nach den Bullinger-Feierlichkeiten, also im Herbst 2004, in Aussicht stellte.
Aus diesem Grund musste an der Mitgliederversammlung die Nachfolge mit einer Neuwahl geregelt werden.
Nach ausführlicher Würdigung der Verdienste Stickelbergers um den Zwingliverein, dem dieser
mehr als 20 Jahre vorstand, schlug der Vorstand Matthias Senn, bisher Aktuar des Vereins, als
Präsidenten vor. Die Wahl Senns durch die Mitgliederversammlung erfolgte einstimmig.
Die Versammlung wurde über die Aktivitäten des Bullinger-Jubiläums und die laufenden
Publikationsvorhaben informiert:
- Das Programm des international beschickten wissenschaftlichen Kongresses vom 25. bis 29. August
2004 liegt vor.
- Die Bullinger-Ausstellung “Der Nachfolger“ im Großmünster (10. Juni-16. Oktober 2004) ist
fertiggestellt.
- Der erste Band der siebenbändigen Bullinger-Studienausgabe ist gedruckt worden und liegt vor; die
Arbeit an den übrigen Bänden hat sich als aufwendiger als geplant erwiesen, weshalb der Rest der
Ausgabe mit Verzögerung erst im Folgejahr 2005 erscheinen wird
- Das Projekt einer Publikation von Bullingers Tigurinerchronik konnte finanziell abgesichert werden,
so dass die Arbeit gemäß den von der begleitenden Arbeitsgruppe festgesetzten
Editionsgrundsätzen aufgenommen wurde.
Die nächste Jahresversammlung wird am Donnerstag, 16. Juni 2005 stattfinden.
Im Anschluss an die Vereinsgeschäfte begaben sich die Versammlungsteilnehmer ins
Großmünster zur feierlichen Eröffnung der Bullinger-Ausstellung “Der Nachfolger“.
Zwingliana
Der Band XXXI ist mit Blick auf das Bullingerjahr 2004 unter dem Titel “Heinrich Bullinger und seine Zeit“ als
Sonderband erschienen und enthält die Vorträge einer im Sommersemester 2003 an der
Universität Zürich veranstalteten Ringvorlesung. Er konnte zum Bullingerkongress im August
2004 ausgeliefert werden. Wiederum hat die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften,
vermittelt durch die Schweizerische Theologische Gesellschaft, der Zwingliana einen Druckkostenbeitrag von
Fr. 3000.- zugesprochen. Der Zwingiiverein und die Redaktion bedanken sich an dieser Stelle für die sehr
willkommene Unterstützung.
Exegetische Schriften Huldrych Zwinglis (Z)
Die beruflichen Veränderungen des Bearbeiters samt Umzug ins Ausland, bewirkten eine
Verzögerung der weit fortgeschrittenen Abschlussarbeiten. Am Editionstext noch abzuschließen
sind insbesondere die Überprüfung der Transkription griechischer und hebräischer
Textstellen, die Herstellung von Kohärenz in der Zitationsweise bei angeführter
Sekundärliteratur sowie die Überführung provisorischer externer Verweisungen zu
werkinternen Verweisungen.
Bullinger-Briefwechsel-Edition
Für das Editionsteam stand das vergangene Jahr nicht nur im Zeichen des Bullinger-Jubiläums,
sondern auch eines doppelten personellen Neubeginns. Am 1. Februar trat Alexandra Kess die Nachfolge von
Hans Ulrich Bächtold an; kurz darauf beendete sie ihre Ausbildung mit der Promotion als PhD in St.
Andrews. Ende Mai trat Kurt Jakob Rüetschi nach 33-jähriger Tätigkeit in den Ruhestand.
Für seinen unermüdlichen Einsatz im Dienst der Briefwechseledition danken wir ihm auch an
dieser Stelle. Als Nachfolger konnte lic. phil. Christian Moser gewonnen werden, der die 50%-Stelle am 1. Juni
antrat.
Rechtzeitig zum Jubiläum ist der Ergänzungsband zu den ersten 10 Bänden des
Briefwechsels erschienen; er enthält weitere 26 Briefe und ein kumuliertes Gesamtregister. Die
Bearbeitung des gewichtigen Jahrgangs 1541 mit 144 zum Teil sehr umfangreichen Briefen konnte weitgehend
abgeschlossen werden; der Band soll Ende 2005 erscheinen.
Die zahlreichen Beiträge, welche die Mitarbeitenden der Briefwechsel-Edition im Zusammenhang mit
den Aktivitäten des Bullinger-Jahres geleistet haben (Vorträge und kleinere Publikationen, u. a.
für den Bullinger-Kongress und den Ausstellungskatalog, sowie verstärkte Beratungs- und
Auskunftstätigkeit), können hier nicht einzeln aufgezählt werden. Auf besonderes Interesse
stieß die online zugängliche Datenbank, die einen Überblick über die 1173
Korrespondenten und 435 Korrespondenzorte sowie über die Briefzahlen und
Korrespondenzzeiträume gibt (http://www.irg.uzh.ch/hbbw/datenbank.html).
Heinrich Bullinger, Schriften
Sämtliche Texte liegen übersetzt vor. Die Korrekturarbeiten haben sich jedoch als derart
aufwändig erwiesen, dass erst Band 1 in Druck gehen und zum Ende des Jahres Bd. 6 abgeschlossen und
gesetzt werden konnte. Bei den übrigen vier Textbänden sind die Erstkorrekturen (sprachliche und
formale Bereinigung) von Frau lic.phil. Ofelia Schultze-Kraft zu zwei Dritteln erledigt, ebenso die
Zweitkorrekturen (Überprüfung der Korrektheit der Übersetzungen aus dem Lateinischen)
von Prof. Dr. Peter Stotz. Die Registerarbeiten von Dr. Thomas Brunnschweiler sind für zwei, das
Eintragen der Registerbegriffe von Frau lic. phil. Bettina Schaefer für einen Band der vier Bände
erledigt.
Die Endbearbeitung (Überprüfen und Ergänzen der Zitatnachweise und der
Sachanmerkungen, sprachliche Bereinigungen) durch Prof. Dr. Detlef Roth ist bei gut eineinhalb Bänden
erledigt. Da die Zitatnachweise für die Bände 3-5, die Übersetzung der “Dekaden“, nicht
ungeprüft aus der kritischen Edition der “Dekaden“ übernommen werden konnten, hat dieser
Arbeitsschritt wesentlich mehr Zeit in Anspruch genommen, als geplant war. Die fünf Textbände
und der Registerband werden jedoch den kommenden Sommer gedruckt vorliegen.
Heinrich Bullinger, “Tigurinerchronik“
Die Bearbeitung der “Tigurinerchronik“ Bullingers ist bis zum Ende des Jahres 2004 plangemäß
fortgeschritten: Der erste Teil (Bücher I-VIII) und die Stiftsgeschichte (Annex), d.h. 1029 von 1848
Folioseiten, sind übertragen und elektronisch gespeichert. Die Marginalien und die textkritischen
Anmerkungen sind eingearbeitet. Die Texte wurden codiert in Absprache mit der Firma “pagina“ in
Tübingen, die das Satzprogramm entwickelt hat. Der Bearbeiter, Dr. phil. Hans Ulrich Bächtold,
hat die Chronik und die historiographische Arbeit Bullingers in zwei Vorträgen, im August in
Zürich und im Oktober in Toronto, vorgestellt.
Zum Heinrich Bullinger-Jahr
Das Berichtsjahr zeichnete sich wegen des Heinrich Bullinger-Jubiläums aus durch eine Vielzahl von
Veranstaltungen: Vorträge, Diskussions- und Weiterbildungsveranstaltungen sowie die nachstehenden
beiden Großanlässe:
- Internationaler Kongress Heinrich Bullinger (1504-1575) in Zürich vom 25.8-29.8.2004,
http://www.zwingliverein.ch/bullinger2004.html, der vom Zwingliverein mitgetragen wurde. An diesem Kongress konnten
Interessierte sich ein gutes Bild über den Stand der Bullingerforschung machen. Es wurde klar, dass die
offenen Fragen zu Bullingers Theologie und Geschichtsdenken sowie zu den sozioökonomischen
Verhältnisse seiner Zeit die Forschungsgemeinschaft in den nächsten Jahren weiter
beschäftigen werden.
- Ausstellung im Großmünster Zürich vom 11. Juni- 17. Oktober 2004 unter der
wissenschaftlichen Verantwortung des Instituts für Reformationsgeschichte in Zusammenarbeit mit dem
Zwingliverein, der Zürcherischen und Aargauischen Landeskirchen, Kulturinstitutionen der Stadt und des
Kantons Zürich sowie des Kantons Aargau. Damit wurde der zweite Zürcher Reformator Heinrich
Bullinger in eine breite Öffentlichkeit getragen.
Um diese beiden Großprojekte gruppierten sich diverse kleinere, die von den Mitarbeitenden zusammen
mit externen Personen und Institutionen entwickelt und betreut wurden. Außerdem wirkten sie an
verschiedenen Anlässen beratend oder als Referierende mit. Das IRG war Teil eines großen
institutionellen Netzwerkes rund um den Zürcher Reformator (s. Linksammlung:
http://www.zwingliverein.ch/hblink.html).
Die Zusammenarbeit mit den beteiligten Personen, mit der Fakultät, den evangelisch-reformierten
Zürcher und Aargauer Landeskirchen und der Zentralbibliothek klappte hervorragend. Es gelang,
für sämtliche geplanten Veranstaltungen die nötigen finanziellen Mittel zu beschaffen.
Mitgliederbestand
Am 31. Dezember 2004 zählte der Verein 284 Einzelmitglieder (2003: 296) und 41 Kollektivmitglieder
(2003: 42).
Zürich, 16. Mai 2005
Der Präsident
Dr. Matthias Senn
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