Ein verschollenes Porträt von Heinrich Bullinger

H. Bullinger

Bildnis Heinrich Bullinger, 1564 (Fotografie eines verschollenen Gemäldes)

Standort der Fotografie: Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung, Bullinger, Hch. I 23a.

Bezeichnet oben in der Mitte:

BIS SEX LVSTRA MIHI DECVRENS VITA PEREGIT
HAEC AETAS. FORMAM PICTA TABVLLA REFERT
NIL EGO VEL FORMAM VEL VITAE TEMPORA CVRO
SED CHRISTVM VITAE QVI MIHI FORMA MEAE EST.

(Zweimal sechs Lustren [60 Jahre] hat der Lauf meines Lebens vollendet.
Dies ist mein Alter. Meine Gestalt zeigt das gemalte Bild.
Auf Gestalt und Lebenszeit achte ich nicht,
sondern auf Christus, der meines Lebens Gestalt [Vorbild] ist.)

Diese Fotografie unbekannter Herkunft befindet sich mindestens seit den Vierzigerjahren des 20. Jh. in der Zentralbibliothek Zürich. Das darauf abgebildete Gemälde (oder allenfalls dessen Vorlage) muss 1564 gemalt worden sein. Dies ergibt sich nicht nur aus der Altersangabe des (nicht namentlich genannten) Dargestellten, sondern auch daraus, dass Rudolf Gwalther die Anpassung seiner ursprünglich für das Bullinger-Porträt von Hans Asper angefertigten Distichen in seiner Gedichtsammlung (Zentralbibliothek Zürich, Ms. D 152, Blatt 86 recto) auf dieses Jahr datiert hat. Es handelt sich um die Urform von Bullingers Altersbildnis, mit dem sich wohl nicht zu Unrecht der Name von Tobias Stimmer verbindet (er gilt als der Schöpfer der diesem Typus entsprechenden Einblattdrucke, die 1570/71 bei Bernhard Jobin in Straßburg erschienen). Diese Annahme lässt sich durch die Beobachtung erhärten, dass Stimmer 1564 weitere Zürcher porträtiert hat (Johannes Fries, Konrad Gessner, Jakob Schwytzer, Elsbeth Lochmann).

Literatur:

Eventuelle Hinweise zum Verbleib dieses Gemäldes bitte an R. Henrich oder an die Graphische Sammlung der Zentralbibliothek!


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24-01-2008 - Webmaster: R. Henrich